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Feinsinnig-cleverer Lotse im Krankenhaus-Haifischbecken: Rudolf Pesch

Bei seiner Ehefrau Doris war er im Wort, und seine Kollegen im Verwaltungsrat der Katholischen Krankenhausgesellschaft sind seit fünf Jahren vorgewarnt: „Mit 80 Jahren ist endgültig Schluss!”
Rudolf Pesch, einer der Väter der großen Hagener katholischen Krankenhaus-Fusion, legt am heutigen Montag – drei Wochen nach seinem Start ins neunte Lebensjahrzehnt – eines seiner letzten Ehrenämter nieder. „Er ist immer dann gegangen, wenn es den Leuten am meisten leidgetan hat”, würdigt der heutige Verwaltungsratsvorsitzende Paul Streppel die Lebensleistung des ehemaligen CDU-Stadtkämmerers: „Er verfügte immer über die glückliche Doppelbegabung, wirtschaftliche Kenntnisse mit hohem christlich-sozialen Engagement zu vereinen.”

Ein Talent, das den gebürtigen Coesfelder über Jahrzehnte zu einem gefragten, zielstrebigen und aufgrund seiner verbindlichen Art auch immer geschätzten Vordenker auf dem kommunalen Finanzparkett, auf der Ebene der Erzdiözese Paderborn, bei der Caritas sowie im heimischen Krankenhauswesen machte. Dabei war es ursprünglich nicht etwa seine christliche Überzeugung, die den promovierten Wirtschaftswissenschaftler in Kontakt mit dem heimischen Hospitalwesen brachte, sondern in den 60er Jahren geriet Pesch als Hüter der Stadtfinanzen in das Kuratorium des Johannes-Hospitals. Damals sicherte die Stadt dem Boeler Krankenhaus, dem AKH sowie dem Mops über die Landesbank einen Investitionskredit ab, dessen sorgfältige Verwendung es zu überwachen galt. Ein Einstieg, der sich bis zum heutigen Tag in 45 Jahre Erfahrung im Haifischbecken Krankenhaus- und Gesundheitswesen ausweiten sollte.

Als aufgrund seines konstruktiven Pragmatismus geschätztes Mitglied des Kirchensteuerrates der Paderborner Erzdiözese wurde Pesch vom heutigen Weihbischof Manfred Grothe 1984 in den Verwaltungsrat der Cura Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft berufen. Diese hatte die Aufgabe, die 50 Krankenhäuser des Bistums, die seinerzeit noch als Sondervermögen der Kirchengemeinde galten, in gemeinnützige Gesellschaften umzuwidmen, die – von qualifiziertem Management geführt – wirtschaftlich eigenverantwortlich handeln. „Bis dahin waren ja noch die Pastöre die Bosse der Chefärzte”, erinnert sich Pesch.

„Dabei war die Umgründung nirgendwo so kompliziert wie in Hagen”, erzählt der für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz dekorierte Emster von zahlreichen Eitel- und Befindlichkeiten, die es seinerzeit bei der Zusammenführung der Häuser St. Marien, St. Josef und St. Johannes zu berücksichtigen galt. Doch am Ende sorgte der durch den sich abzeichnenden Bettenüberhang entstandene Existenzdruck dafür, dass die drei katholischen Krankenhäuser sich 1990 zu einer gemeinsamen Krankenhausgesellschaft mit drei Standorten zusammenrauften. Das aus dem fernen Waldbreitbach gesteuerte Hasper Heilig-Geist-Hospital lehnte seinerzeit eine Beteiligung ab – eine strategische Fehlentscheidung, die das Aus für das Haus einleitete.

So entstand aus drei Kliniken der Grundversorgung in Hagen ein Krankenhaus der Maximalversorgung, das nach zahlreichen Umstrukturierungen sich dem Wettbewerb des 21. Jahrhunderts gerüstet fühlt. Ein Prozess, den Pesch – zunächst als Repräsentant von St. Josef, später als Vertreter der Cura – mit augenzwinkernder Entschlossenheit moderierte und stets offensiv vorantrieb. Dass er parallel auch noch als Vorsitzender des Hagener Caritasverbandes agierte, wertet Norbert Schoop, Geschäftsführer der Katholischen Krankenhausgesellschaft, rückblickend als „konstruktive Ämterhäufung” im großen Schoß des Kirche. Durch seine zahlreichen beruflichen und ehrenamtlichen Rollen galt der von Papst Johannes Paul II. zum Ordensritter ernannte Finanzfachmann als Kontinuitätsfaktor, der sein Talent zum konstruktiven Strippenziehen feinsinnig-clever ausspielte.

„Für mich wird das kein schwerer Tag”, blickt Rudolf Pesch mit der Gelassenheit des Alters auf seine heutige Verabschiedung aus dem Krankenhaus-Verwaltungsrat: „Ich gehe mit dem Gefühl, immer mein Bestes gegeben zu haben, und mit der Gewissheit, dass die Sache auch Zukunft hat.” Dabei hinterlässt er Fußstapfen, in denen sich sein Cura-Nachfolger Hans-Peter Siedhoff ordentliche Blasen laufen dürfte.

Sorge, dass ihm daheim künftig die Decke auf den Kopf fällt, quält Pesch kaum. Seine Frau Doris und die sieben Enkelkinder sind froh, dass er daheim jetzt auch öfter mal den Opa Rudolf gibt. Außerdem ist der leidenschaftliche Soft- und Hardware-Tüftler („Ich könnte auch einen Computer bauen.”) sicher, dass er auf Emst nicht nur weiter in der Heilig-Geist-Gemeinde, sondern auch als Helfer in allen Online-Notlagen im Freundes- und Verwandtenkreis gefragter Ansprechpartner bleibt. Obendrein will der 80-Jährige mit religionsgeschichtlichen Vorträgen weiter glänzen: „Wenn man den Grips nicht anstrengt, führt das sehr bald zu einer Erlahmung. Aber mir rieselt noch lange nicht der Kalk aus des Hose.”

Quelle: Artikel aus der Westfalenpost

Online gestellt von Thomas Weppler.

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